Thomas Scharff ist einer der gefragtesten Schauspieler in Deutschland. Ob Serie oder Spielfilm – aus der Fernsehwelt ist er nicht mehr wegzudenken. Bekannt geworden ist der smarte Berliner als Assistent der "Kommissarin" Hannelore Elsner. Seinen kriminalistischen Spürsinn stellte er auch in der Rolle des „Nils Meermann“ in der ZDF Serie "Notruf Hafenkante" unter Beweis. Aktuell steht Thomas Scharff für einen Spielfilm in New York vor der Kamera. Trotz vollen Drehplans nahm sich der Schauspieler Zeit für ein Interview mit www.stargebot.de

Trotz eines leichten Rückganges bleibt die Jugendkriminalität in Deutschland erschreckend hoch – gerade die Gewaltdelikte nehmen zu. Worin sehen Sie die Ursachen darin?

Das ist wirklich ein sehr komplexes Thema und in einigen, wenigen Sätzen kaum zu beantworten. Ich denke, eine der Ursachen für gewaltbereites Handeln ist in den Familien zu suchen, wo ja leider oft Gewalt an Kindern verübt wird. Zwar ist es nicht die zwingende Konsequenz, dass ein Kind, dem Gewalt angetan wurde, selbst aggressiv gegenüber anderen oder sich selbst handelt, aber die Wahrscheinlichkeit ist meiner Meinung nach sehr hoch.

Kinder lernen, in diesem Fall leider, sehr schnell. Darüber hinaus gibt es natürlich noch viele andere Faktoren, wie beispielsweise der Mangel an gut ausgebildeten Lehrern und Sozialarbeitern an Schulen und die Gewalt, die uns durch die Medien täglich präsentiert wird.

Halten Sie es für richtig, jugendliche Straftäter schneller und härter zu bestrafen als bisher?

Ich glaube nicht, dass härtere Strafen zu weniger Gewalt führen. Die vorhandenen Gesetze müssen nur konsequent und direkt umgesetzt werden, so dass gewalttätige Jugendliche ein Bewusstsein für ihre Tat und die damit verbundenen Folgen entwickeln können.

Anstatt jugendliche Straftäter härter zu bestrafen, sollte viel mehr Geld und Personal in gewaltpräventive Maßnahmen investiert werden.

Gerade Kinder mit Migrationshintergrund haben Schwierigkeiten sich einzufügen. Was muss Ihrer Meinung nach getan werden, um diesen Kindern eine realistische Chance auf Eingliederung zu geben?

Vielleicht wäre eine Kindergartenpflicht ein sinnvoller Schritt. Kommen ausländische Kinder ohne jegliche deutsche Sprachkenntnisse zur Schule, ist es äußerst schwierig sie zu integrieren.

Ich habe selbst bis vor kurzem in Berlin-Neukölln gelebt, und musste die Erfahrung machen, dass "Multikulti" eher ein "Duokulti" ist, das heißt, es ist eher ein Nebeneinander, als ein Miteinander.

Welche Organisationen oder Stiftungen liegen Ihnen besonders am Herzen?

Ich bin seit vielen Jahren Mitglied im BUND, weil mir der Natur- und Umweltschutz sehr wichtig ist.

Natürlich gibt es sehr viele andere Themen und Bereiche, für die man sich stark machen sollte, aber eben so viele, dass man sich einfach entscheiden muss, wo man am Effektivsten helfen kann.

Sie sind Vater zweier Töchter – haben Sie es da als einziger Mann in der Familie manchmal schwer?

Ganz im Gegenteil. Ich genieße meinen "Sonderstatus". Da ich momentan wegen Dreharbeiten für längere Zeit in New York bin, vermisse ich meine drei Mädels jeden Tag.

Worüber können Sie sich so richtig aufregen?

Über die Ignoranz und Dummheit einiger Menschen kann ich mich immer wieder gerne und lange aufregen. Gut, dass man im Laufe der Jahre gelassener wird ...


Das Interview mit Thomas Scharff führte Flavia Fauth