
© Jack'tin
Die erfolgreiche Boxerin Susianna Kentikian ist nicht nur amtierende WBA/WIBF und WBO Weltmeisterin, sondern auch Autorin.
Im März 2011 erscheint im Herder-Verlag ihre Autobiografie "Mir wird nichts geschenkt!", in der sie über ihre Erfahrungen als Profisportlerin aber auch über ihr Leben als Asylantin in Deutschland berichtet. Im Interview spricht sie über ihr Engagement für sozial Benachteiligte.
Frau Kentikian, bereits 2009 haben Sie sich für die Plakat-Kampagne "Obdach Hamburg" sozial engagiert. Worum ging es bei diesem Projekt?
"Obdach Hamburg" diente als Initiative, die auf das Schicksal der Menschen in Hamburg aufmerksam machen sollte, die keine Bleibe und im Winter zu leiden haben.
Der Starkoch Tim Mälzer, der Berliner Sänger Frank Zander und ich haben uns für eine gezielte Spendenaktion zur Verfügung gestellt. Partner waren u.a. die "Hamburger Tafel" und das Magazin "Hinz&Kunzt".
Als Schirmherrin der Initiative "Lebensbaum für Armenien e.V.“ machen Sie sich jetzt für benachteiligte Menschen in ihrem Heimatland stark. Wie wichtig sind Ihnen Ihre armenischen Wurzeln?
Ich habe Armenien aufgrund meines Asylanten-Schicksals ja erst als Erwachsene wirklich kennengelernt. Es sind nicht nur meine Verwandten und Freunde im Kaukasus, die mir wichtig sind, nein, dieses arme, christliche Land und seine Menschen verdienen einfach mehr Aufmerksamkeit und Hilfe. Es sind arbeitswillige, aber oft bettelarme Familien, denen wir helfen wollen. Armenien ist näher als viele denken.
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem "Lebensbaum für Armenien e.V.“?
Ich wurde im Juni 2010 von einer Armenierin und ihrem Partner angesprochen, die mir ein sehr interessantes Projekt zur Schaffung von Arbeitsplätzen in Armenien vorstellten. Irgendwie passte das einfach.
Sie haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. In Armenien sollen 300.000 Walnussbäume gepflanzt und damit eine dauerhafte Existenzgrundlage für 200 armenische Familien geschafft werden. Das Projekt läuft unter dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe“- könnten Sie kurz erklären, was es damit auf sich hat?
Die Landarbeiter-Familien sollen nicht nur Walnussbäume pflanzen, pflegen und ernten – sie sollen Bio-Produkte wie z.B. hochwertiges Walnuss-Öl selbst herstellen können und zu Weltmarktpreisen verkaufen.
Partner in Deutschland helfen dabei, dass dieses Projekt selbsttragend und wettbewerbsfähig wird. Früher haben die Landarbeiter die Früchte einfach zum Großmarkt gebracht und zu Schleuderpreisen verkauft. Jetzt gilt es, Bio-Nüsse zu „veredeln“, also aus der Frucht ein Produkt, eine Marke zu machen, die im Regal eines Lebensmittelgeschäftes stehen kann.
Wie können sich Außenstehende an der Aktion beteiligen?
Das einfachste ist, drei Bäume für 12 Euro zu spenden. Denn der Kauf und die Aufzucht eines Baumes kostet ca. 4 Euro. Wir suchen natürlich auch Unterstützer, die in Schulen und unter Studenten dieses Projekt aktiv fördern, bei Armeniern wie Deutschen. Große Spenden können wir nur von Unternehmen erwarten, die dieses Projekt als vorbildlich ansehen und deshalb etwas tiefer in die Tasche greifen.
Wie wichtig ist Ihnen soziales Engagement im Allgemeinen? Gibt es weitere gemeinnützige Projekte, für die Sie sich zukünftig stark machen möchten?
Ich gebe ganz offen zu, dass ich überhaupt erst seit 3, 4 Jahren an gemeinnützige Projekte denke, bis 2005 war ich in Deutschland ja nur geduldet, hatte meine eigenen Probleme. Ich liebe Kinder, ich bin für den verstärkten Schutz Benachteiligter, komme ja selbst aus der Armut.
"Lebensbaum für Armenien“ bindet viel Kraft und Aufmerksamkeit – das macht man nicht so nebenbei. Gerne bin ich auch in Schulen und erzähle den Kindern und Jugendlichen, dass es viel schöner ist, sich im Sport mit anderen zu messen, als aus Frust rumzuhängen oder die Konflikte auf der Straße auszutragen.
Das Interview mit Susi Kentikian führte Kathrin Sprotte


