Silvia Matthäus sprach mit Stargebot über ihr soziales Engagement, das Projekt Young Wings  und den Umgang mit Trauer und Verlust.

Sie ist Botschafterin für die Nicolaidis-Stiftung, die von Martina Nicolaidis nach dem Tod ihres Ehemannes ins Leben gerufen wurde.

Die gemeinnützige Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, für die Belange junger Witwen und Witwer und deren Kinder einzutreten. Durch ein umfassendes Hilfsangebot erfahren Trauernde vielseitige Unterstützung.

Zu den Hilfsangeboten gehören Selbsthilfegruppen, Trauerbegleitung, finanzielle und rechtliche Beratung und spezielle Projekte für Kinder und Jugendliche. Unser Betreuungskonzept orientiert sich an der Notwendigkeit einer langfristigen und nachhaltigen Hilfe.


Frau Matthäus, Sie sind Botschafterin der Nicolaidis Stiftung. Wie kam es dazu?

Im Zeitalter der Vernetzung war es eine gemeinsame Freundin und auch Betroffene (sie verlor ihren Vater mit 2 Jahren), die Martina Nicolaidis (sie hat die Stiftung vor 12 Jahren nach dem Tod ihrer Eltern und dem Unfalltod ihres Mannes ins Leben gerufen) und mich zusammen gebracht hat. Seit dieser Begegnung im Oktober letzten Jahres unterstütze ich die Stiftung.

Was bewegt Sie dazu, gerade diese Stiftung mit Herzblut zu unterstützen?

Es ist die professionelle und aufopfernde Arbeit von Frau Nicolaidis und ihrem Team, die Art und Weise, mit der Trauer junger Menschen umzugehen, die mich so bewegt und motiviert. Es geht hier nicht um Mitleid, sondern um klare Lösungen, die den Betroffenen angeboten werden, um aus der Trauer, der Depression, der Verzweiflung wieder zurück ins Leben zu finden.

Es sind eigene Erfahrungen, die ich im engsten Freundeskreis machen musste, als ich zusammen mit den 15 und 17 Jahre alten Töchtern ihre Mama und meine beste Freundin in den Tod begleitet habe.

Ich erlebte, was dieser traurige Einschnitt bei Jugendlichen auslöst, nämlich Angst, Isolation und bei einem der Mädchen auch eine schwere Depression. Damals wäre ich sehr froh gewesen, wenn ich die Beiden in die „helfenden Hände“ der Nicolaidis Stiftung hätte geben können.


Die Nicolaidis-Stiftung hat das Projekt YoungWings ins Leben gerufen. Was genau können wir uns darunter vorstellen?

Das Internet ist heute fester Bestandteil der Lebenswelt junger Menschen und das Medium, welches in unserem Fall einen niederschwelligen Zugang zu Information, Beratung und Hilfe bietet, aber auch den höchsten Daten- und Opferschutzkriterien unterliegt.

YoungWings ist ein bisher einmaliges Portal, das unter der Schirmherrschaft der bayerischen Familienministerin Christine Haderthauer steht.

YoungWings bietet betroffenen Kindern und Jugendlichen, die einen oder beide Elternteile, einen nahen Angehörigen oder einen Freund verloren haben, die Möglichkeit, sich anonym und kostenlos Hilfe zu holen - und das an sieben Tagen die Woche.

Seit Start dieser Seite am 17.5.2010 besuchen täglich bis zu 400 Betroffene die Webseite. Der Bedarf an Hilfe ist enorm, wenn wir bedenken, dass es über eine Million betroffenen Kinder und Jugendliche in Deutschland gibt.

Die Jugendlichen können anonym ihre Gedanken, Ängste, manchmal auch Wut und Träume niederschreiben, sich mit betroffenen Gleichaltrigen austauschen, professionelle Hilfe von Pädagogen oder Therapeuten erfahren und sich sicher fühlen.

Welches Fazit ziehen Sie aus der Arbeit mit trauernden jungen Menschen?

Die trauernden jungen Menschen finden kaum Beachtung oder Beistand in unserer Gesellschaft oder ihrem Umfeld. Das Thema Tod macht den meisten von uns Angst und ist darum häufig tabu. Die erste Zeit nach einem Trauerfall ja, aber nicht, wenn seelische Probleme, Schwierigkeiten oder Ängste erst später auftreten.

Meine Arbeit ist nicht die mit den trauernden Menschen, denn dafür bedarf es unserer engagierten, professionellen und rund um die Uhr arbeitenden Berater und Therapeuten.

Meine Arbeit als Botschafterin sehe ich darin, die Botschaft zu verkünden, dass der Bedarf riesig ist, dringend Aufmerksamkeit, Akzeptanz, Verständnis und finanzielle Mittel benötigt werden, um die nötige Hilfe zu gewährleisten.

Was denken Sie generell zum Thema „soziales Engagement in Deutschland“?


Die Erfahrung, die ich jetzt seit etwa einem Jahr mache ist die, dass es sich als sehr schwierig und mühsam gestaltet, den sozialen Gedanken zu wecken. Häufig stellt sich beim Gegenüber die Frage. „was habe ich davon?“ - dies entspricht nicht der Sinnhaftigkeit von sozialem Engagement.


 




Das Interview mit Silvia Matthäus führte Jenny Simon

Hier geht's zur Nicolaidis Stiftung