Sanna Englund (34) lehrt Verbrechern das Fürchten – zumindest in ihrer Rolle als taffe Polizistin in „Notruf Hafenkante“. Was kaum einer weiß, die sexy Blondine hat eine Ausbildung an der Schusswaffe. Neben den Dreharbeiten hält sich das ehemalige Model fit durch Yoga und Boxen. Neben ihrem vollen Drehplan engagiert sich die charmante Schauspielerin für die NCL Stiftung und SOS Kinderdörfer. Im Interview mit stargebot.de verrät Sanna Englund, über was sie sich Gedanken macht.

Was empfinden Sie, wenn Sie von „Altersarmut in Deutschland“ hören?

Das Thema macht mich sehr traurig. Ich fürchte mich davor, selber einmal in dieser Situation zu sein. Ich liebe es, Zeit mit meinen Großeltern zu verbringen, mir von alten Menschen ihre Lebensgeschichten erzählen zu lassen und aus ihren Erfahrungen zu lernen. Was auch immer wir sind, haben wir zu einem großen Teil den älteren Generationen zu verdanken. Deshalb ist es furchtbar, diese verarmt, vereinsamt und vergessen zu sehen. Das darf nicht sein. Es wäre undenkbar für mich, meine Eltern irgendwann in einer solchen Notlage zu wissen und nichts dagegen tun zu können.

Bisher gibt es verhältnismäßig wenig private Initiativen, die sich für die Senioren in unserer Gesellschaft engagieren. Woran liegt das?

Ich denke, dass viele sich vor dem Alter – aus verschiedenen Gründen – ängstigen und sich deswegen gar nicht mit der Thematik auseinandersetzen. Man könnte fast meinen, „alte Menschen“ sind eine Art Tabuthema für viele. Dabei wird vergessen, dass wir alle irgendwann Senioren sein werden und von unserer Rente, sofern es sie dann überhaupt noch gibt, leben müssen.  Gott sei Dank gibt es mittlerweile engagierte Menschen, die sich damit auseinandersetzen wie zum Beispiel die Stiftung Lebensherbst.eV. Sehr schön finde ich auch die Realisierung von Wohnprojekten für mehrere Generationen. Es findet eine Rückbesinnung auf den alten Familienverbund statt. Ich wünsche mir, dass die jungen Generationen ihr Leben wieder viel mehr mit den Alten teilen und sie integrieren. Wir können so viel von ihnen lernen und profitieren!

Was glauben Sie, muss getan werden, um die steigende Altersarmut zu verhindern?

Auf die zukünftige Rente kann sich keiner mehr verlassen. Das ist wohl spätestens bei der Einführung der „Riesterischen Rentenreform“ klar geworden. Wir alle müssen selbst für das Alter vorsorgen und private Rentenversicherungen abschliessen. Wer Glück hat bekommt noch eine betriebliche Vorsorge. Allerdings muss man dazu sagen, dass viele Menschen heutzutage kein ausreichendes Einkommen haben, um auch noch privat vorsorgen zu können.

Der jungen Generation muss das rapide wachsende Problem stärker bewusst gemacht werden, wir müssen alle umdenken und Alternativen für das Alter finden.

Des Weiteren bin ich der Meinung, es kann nicht sein, dass Senioren ihre Renten versteuern müssen. Auch das ist wohl nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber sicherlich wäre vielen damit ein wenig geholfen. Die Generation +60 hat maßgeblich zum Wohlstand unseres Landes beigetragen und das muss entsprechend gewürdigt werden.

Sie unterstützen die NCL-Stiftung, deren Ziel es ist, die seltene und tödliche verlaufende Stoffwechselkrankheit Neuronale Ceroid Lipofuszinose zu bekämpfen. Wie sind Sie dazu gekommen?

Ich wurde von den Organisatoren sehr nett gebeten, die NCL Stiftung bei ihrer alljährlichen Charity Auktion mit meiner Anwesenheit und Hilfe zu unterstützen. Ich habe mich daraufhin natürlich intensiv mit der Stiftung auseinandergesetzt und mir wurde  bewusst,  wie viele Krankheiten in unserer hoch entwickelten medizinischen Situation noch gar nicht ergründet und erforscht sind. Gerade bei Kinderkrankheiten geht mir das besonders nah. Da in Deutschland „nur“ ca. 450 und weltweit ca. 50.000 Kinder an dieser Stoffwechselkrankheit leiden, zählen diese Patienten zu den „Waisenkindern“ der Medizin. Die Kinder verlieren nach und nach die Fähigkeit zu sehen, zu gehen und zu handeln. Am Ende können schließlich auch die lebenserhaltenden Funktionen nicht mehr aufrechterhalten werden. Sie sterben! Es wird kaum Geld zur Erforschung der Krankheit zur Verfügung gestellt. Das größte Ziel der Stiftung ist es, eine Gen-Therapie zu entwickeln, die diese Krankheit heilen kann oder zumindest lindert.

Seit 3 Jahren spielen Sie die taffe Polizistin „Melanie Hansen“ in der ZDF Serie „Notruf Hafenkante“ – haben Sie Lust mal die Seiten zu wechseln und die Kriminelle zu spielen?

Ich habe immer Lust, die Rollen zu wechseln. Das sollte die Leidenschaft eines Schauspielers auch sein. Vor meiner Zeit bei der ’Hafenkante’ durfte ich häufig die kriminellen und vom Leben eher gebeutelten Charaktere spielen, deshalb war die Rolle der Oberkommissarin Melanie Hansen schon ein willkommener Wechsel auf eine andere Seite. Aber gerade in einem Seriencharakter kann man viele menschliche Seiten entdecken und sich den verschiedenen Rollen, die man innerhalb eines einzelnen Lebens hat, stellen. Das ist auch immer noch eine schöne Herausforderung.

Das Interview mit Sanna Englund führte Flavia Fauth. 

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