Eigentlich heißt er Michael Koschorreck und ist eines von 14 Mitgliedern der Söhne Mannheims.

Darüber hinaus macht er auch eigene Musik. all sides love heißt seine aktuelle CD.

Im Interview spricht Kosho über seine Großmutter, Zukunftspläne und das Engagement der Söhne Mannheims für Amnesty International.


1972 schenkt Ihnen Ihre Großmutter die erste eigene Gitarre. Hat sie damit den Grundstein für Ihre spätere Musikkarriere gelegt?


Das begann wahrscheinlich schon viel früher durch ihre Selbstverständlichkeit, mit der sie Klavier und Gitarre spielte oder einfach den ganzen Tag über entspannt und ungezwungen vor sich hin zu singen pflegte.

Nachdem ich als kleiner Junge zuerst mehrere Jahre ausschliesslich Schallplatten auf der elterlichen Stereoanlage gespielt hatte, war ich dann als Zehnjähriger mit der ersten Gitarre der Verwirklichung meines Traums vom Spielen in einer echten Band ein großes Stück näher gekommen. Vier Jahre später war es dann soweit und ich gründete mit 4 Schulkameraden unsere erste Band „Phönix“.


Dem Einfluss der afroamerikanischen Band Afrodisia, für die Sie die Lead-Gitarre spielten, haben Sie nicht nur ihren Spitznamen „Kosho“ zu verdanken. Können Sie kurz über die Jahre in dieser ungewöhnlichen Band, die sich hauptsächlich aus GIs und zivilen Angehörigen der US Army zusammensetzte, berichten?


Der Einstieg als 16-jähriger in diese Band, in der ich zeitweise der einzige Deutsche und „Weiße“ war, inspirierte und motivierte mich musikalisch ungemein, gab mir Selbstvertrauen und Einblick in die Welt des schwarzen Amerika.

Das Zusammentreffen eines deutschen Mittelstands-Kids wie mir mit hartgesottenen Ghettobrüdern, die aussahen und redeten wie Typen aus einem Blaxploitation-Streifen, Vietnam-Veteranen und hoffnungsvollen Vorkriegs-GIs auf dem „neutralen“ Boden einer deutschen Kleinstadt mit US-Kaserne war eine wichtige Erfahrung in Freundschaft, Solidarität, Betrug & Enttäuschung, Weltpolitik, Exzess und Lebensfreude.


Mitglied der Söhne Mannheims wurden Sie eher per Zufall. Während eines Charity-Konzertes hatte es zwischen Ihnen und der Band „gefunkt“.
Mittlerweile haben Sie mit der Band begehrte Musikpreise wie zum Beispiel den „ECHO“ gewonnen und füllen Konzerthallen in ganz Deutschland. Nebenbei verwirklichen Sie eigene Musikprojekte. Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?


Obwohl meine aktuelle CD „all sides love“ erst seit vergangenem April veröffentlicht ist, werde ich noch dieses Jahr mit der Arbeit an einem neuen Album beginnen.

Seit kurzem notiere ich die Songs meiner bisherigen drei Soloalben, damit ich endlich die Nachfragen interessierter Gitarristen an meinen spielerischen „Tricks“ befriedigen kann. Mit den „Söhnen Mannheims“ gehen wir im November auf Hallentournee und entwerfen für das nächste Jahr ebenfalls neue, aufregende Pläne.

Darüberhinaus will ich aber mehr auf die Balance zwischen Workaholismus und wahrer Freizeit achten, damit ich hoffentlich auch weiterhin mehr Klasse als Masse zustandebringe - und meine Familie mich nicht aus den Augen verliert.

Am 18. August starten die Söhne Mannheims gemeinsam mit Amnesty International und der ARD eine Videoclip-Aktion zum Thema „Freiheit“. Was hat es damit auf sich?


Da ich seit Teenagerzeiten vom Anliegen und der Arbeit von Amnesty International beeindruckt und motiviert wurde und seit einigen Jahren Mitglied bin, freut es mich umso mehr, Teil dieser kreativen Aktion zu sein.

Es gibt ja unendlich viele Möglichkeiten, sich zu engagieren oder einfach nur Glück auszustrahlen. Darum wollen wir alle Interessierten dazu aufrufen, uns zu zeigen, was sie sich unter„Freiheit“ vorstellen, auch unter ihrer ganz persönlichen, großen oder kleinen Freiheit.

Ganz gleich ob der große utopische Entwurf von Grenzenlosigkeit oder das kleine gelebte Schrebergartenglück - wir sind gespannt, wie die einzelnen Facetten aussehen und klingen, aus denen sich die Freiheit unserer EinsenderInnen zusammensetzt.

 




Das Interview mit Kosho führte Kathrin Sprotte

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