Kirsten Bruhn ist eine der bekanntesten Schwimmerinnen im deutschen Behindertensport.

Seit ihrem zehnten Lebensjahr ist sie Leistungsschwimmerin. Auch ein Motorradunfall, bei dem sie 1991 eine inkomplette Querschnittslähmung erlitt und der sie zur Verwendung eines Rollstuhls zwang, konnte ihr die Leidenschaft für das Schwimmen nicht nehmen. Hohe Willensstärke und Motivation sind bezeichnend für die außergewöhnliche Athletin.

Mit Stargebot sprach Sie über ihr Leben, den Sport und ihr persönliches Engagement.





Frau Bruhn, Sie haben paralympisches Gold gewonnen, sind 6-fache Deutsche Meisterin, sind unzählige Welt- und Europarekorde geschwommen. Gibt es etwas, dass Sie noch erreichen möchten?


Das was Sportler alle im Herzen und ihrer Seele schlummern lassen - den Drang nach immer fortfahrender Verbesserung. Bei den Paralympics 2012 in London würde ich sehr, sehr gern Metall auf dem Treppchen entgegennehmen.

Sie sind 1991 mit dem Motorrad verunglückt und seitdem querschnittsgelähmt. Schwimmen war bis dahin Ihr Leben. Woher kam die Kraft weiterzumachen?

Nach der Diagnose und der etwas länger auf sich hat warten lassenden Wahrnehmung der Situation behindert und querschnittgelähmt zu sein, wurde mir klar, dass ich mir selber helfen muss und nicht auf Hilfe von außen warten kann. Ein lebenswertes Leben wollte ich leben und vor allem eines mit Freude und viel Lachen, so wie ich es bisher von mir und meinem Leben gewohnt war.

Dazu gehörte auch eine Aufgabe und vor allem eine Herausforderung und Perspektiven. Als ich dann mit dem intensiver werdenden Training merkte, es fordert und holte mich ins Leben zurück war mir klar, dass dies die Antwort auf mein erfülltes Leben war.

Nicht behinderte Menschen sind im Umgang mit behinderten Menschen häufig unsicher. Wie ist der Alltag im Rollstuhl?


Sehr gewöhnungsbedürftig. Noch heute habe ich meine schlechten Tage und denke mir: "Wieso kannst du jetzt nicht mal schnell hier oder da hin springen?" Zeit ist ein ganz anderer Begriff und hat eine ganz andere Bedeutung mit neuen Maßeinheiten bekommen. Man muss den Alltag noch mehr planen und organisieren, als ich es eh schon immer getan hatte und auch als Athletin gewohnt war. Dazu braucht man Geduld und das ist leider so gar keine gute Eigenschaft von mir.

Es geht alles irgendwie, zunächst zwar ein wenig mühselig und träge, aber das spielt sich immer und immer besser ein. Nichtsdestotrotz hätte ich mir den Unfall sehr gern erspart. Es wäre wesentlich einfacher, wenn der Rollstuhl nicht so präsent wäre und von den Mitmenschen so wahrgenommen werden würde. Wieso kann man den Rollstuhl nicht als Brille betrachten? Die Brillenträger werden doch auch nicht so angestarrt und selektiert wie wir Rollstuhlfahrer!

Thema soziales Engagement in Deutschland. Wie wird Ihrer Meinung nach damit umgegangen?

Es wird viel zu viel diskutiert und theoretisiert. Aktionen müssen folgen und umgesetzt werden, dass wäre mir viel, viel lieber. Integration zu leben ist ganz sicher nicht schwer und wenn wir endlich mal damit anfangen würden, hätten wir in der nächsten Generation auch keine Berührungsängste mehr mit Mitmenschen, die ein Handicap haben.

Wie sähe Deutschland aus, wenn Sie entscheiden dürften?

Integrativ von Anfang bis Ende. Wir lernen in den Familien von Groß zu Klein. Wir lernen in den Schulen von Kompetenz zu Inkompetenz. Wir lernen von Profis zu Laien. Wir lernen von- und miteinander. Warum nicht auch von Handicap zu nicht Handicap und zwar von klein (Vorschule bzw. Kindergarten) an?

Gibt es Charity-Projekte die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei ist so unendlich wichtig um Leben zu retten. Das muss man unterstützen und fördern.

Der Weiße Ring ist wichtig um Kriminalopfern zu helfen und Leid und Schmerz zu stoppen.

"Dein Name für Deutschland", eine Aktion von Athleten für Athleten und der Deutschen Stiftung Sporthilfe, die auf ganz einfache Art und Weise viel bewirkt. Ziel ist es, den Spitzensport in Deutschland zu unterstützen und die Athleten mehr zu fördern.



Das Interview mit Kirsten Bruhn führte Valerie von Schilling

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