Jessika Cardinahl ist heute in den USA eine gefragte Künstlerin. In Deutschland ist sie vor allem als Fotomodell und Schauspielerin an der Seite von Komiker Otto Waalkes bekannt.

Neben dem beruflichen Erfolg kennt sie aber auch die Schattenseiten des Lebens. Stargebot – Your Charity World stand die Malerin und Mutter von drei Kindern Rede und Antwort.

 

Frau Cardinahl, bereuen Sie es vor 26 Jahren in die USA ausgewandert zu sein?

 

Nein, aber ich bin ja nicht wirklich verschwunden. Ich bin noch so häufig in Deutschland, dass ich nicht das Gefühl habe, dass ich ausgewandert bin. Früher war ich nur hier, weil ich meine Familie besucht habe. Seitdem ich mit der Malerei so viel Erfolg habe, bin ich sogar noch häufiger in Hamburg. Ich habe oft Ausstellungen in Deutschland, sodass ich gar nicht dazu komme, Heimweh zu haben.

 

Manchmal vermisse ich in Hamburg allerdings das südkalifornische Klima! In Kalifornien das Hamburger Wetter allerdings nicht!

 

In Deutschland kennt man Sie immer noch vornehmlich als hübsche Freundin von Otto in „Otto – der Film“ und „Otto – der Liebesfilm“. Stört es Sie nicht, dass Sie so sehr auf diese Rolle reduziert werden?

 

(Lacht) So schlimm ist das nicht. Dass ich diese Rolle bekommen habe, war ja sowieso ein Missverständnis. Ich war damals als Fotomodell tätig und habe mich einfach auf ein Casting für „Otto“ beworben. Ich dachte allerdings, dass es für den Otto-Versand sei, der ja auch hier in Hamburg sitzt. Von Otto Waalkes hatte ich bis dahin nicht viel gehört. Wir sind aber bis heute noch gut befreundet.

 

Wie kam es, dass Sie mit der Malerei anfingen?

 

In den USA habe ich erst einmal weiter geschauspielert. Das war fast selbstverständlich, da auch mein damaliger Ehemann Al Corley Schauspieler war. Nach kleineren Rollen in „Independence Day“ oder „Chicago Hope“ (Chicago Hope – Endstation Hoffnung, Anm. d. Red.) merkte ich irgendwie, dass mich das nicht ausfüllte. Irgendwann hatte ich von Werbespot bis hin zu Gastauftritten in Serien alles durchgenudelt.

 

Die Geburt meiner Kinder und die Trennung von Al trug sicherlich auch ihren Teil dazu bei. Die Schauspielerei ist sehr anstrengend, man ist viel unterwegs und hat während der Dreharbeiten nur wenig Zeit für Familie und Freunde. Malen kann ich dagegen von Zuhause und kann mich dabei noch um meine Kinder kümmern. Aber natürlich macht es mir auch wahnsinnig Spaß.

 

Wie hat Sie die Geburt Ihrer Tochter Sophie verändert. Sie leidet unter dem Wolf-Hirschhorn-Syndrom.

 

Sophies Geburt war in der Tat ein besonderer Punkt in meinem Leben. In dem Moment wurde mir klar, dass im Leben nicht immer die Sonne scheint. Sie ist eine Person, die ihr ganzes Leben lang auf fremde Hilfe angewiesen sein wird. Diese Hilfsbedürftigkeit ist sehr ergreifend.

 

Sie müssen sich vorstellen, dass nur die Hälfte der Betroffenen überhaupt normal sitzen kann; nur ein Drittel lernt laufen und sprechen können nur etwa 20 Prozent. Sie wird mich immer brauchen. Seitdem achte ich vielmehr darauf, dass ich anderen Menschen helfen kann, und nicht nur mit Scheuklappen mein eigenes Leben lebe.

 

Ich kenne auch die Schattenseiten des Lebens. Deswegen habe ich mich auch für die Stiftung „MOVE International“ eingesetzt. Sie unterstützt Einrichtungen für körperlich und geistig behinderte Kinder. Meine Fundraiser waren unter dem Dach der Organisation für Sophies damalige Schule „James McBride Special Education Center“ tätig. Vier Jahre saß ich im Verwaltungsrat der Schule. Die Stärkung der Rechte behinderter Kinder ist mir sehr wichtig.

 

Eines Ihrer Bilder hängt auch im Children’s Hospital in Los Angeles. Was hat es damit auf sich?

 

Mit Sophie habe ich schon viel Zeit in trostlosen Wartezimmern verbracht. Deswegen habe ich ein paar meiner Bilder Krankenhäusern zur Verfügung gestellt. Sie sollen die heilende Verbindung von Kunst und Medizin zeigen. Besonders stolz bin ich darauf, dass eines meiner Bilder im Children’s Hospital in Los Angeles hängt.

 

Mit Sarah Moritz, der Ehefrau von Hollywoodproduzent Neill Moritz (z.B. „Triple X“ mit Vin Diesel, Anm. d. Red.), und Dale Breaden habe ich damals einen Fundraiser für das Krankenhaus organisiert. Die beiden Frauen sind Mitglieder einer Hilfsgruppe, die jährlich Gelder für das Hospital sammelt. Sie haben eine Kunstausstellung im Haus der Breadens organisiert; 50 Prozent der Erlöse gingen an das Krankenhaus. Die Resonanz war toll und ich entschloss mich selbst ein Bild zu spenden. Das war eine tolle Erfahrung.

 

In Deutschland war ich kaum mit Charity und Spendenaktionen in Kontakt gekommen, in den USA ist es ja Gang und Gäbe, sich sozial zu engagieren. Ich hoffe, dass mein Bild den kranken Kindern Hoffnung und Energie gibt. 

 

Frau Cardinahl, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

 





Das Interview mit Jessika Cardinahl führte Markus Herbst