Jaqueline S. hat in ihrem Leben schon viel erlebt: mit 17 Jahren wird sie obdachlos, die Beziehung zu einem Mann holt sie zwar zunächst von der Straße doch ihr Partner ist gewalttätig und misshandelt sie schwer. Erst später hat sie den Mut in ein Frauenhaus zu ziehen und ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.

Im Interview spricht sie über ihre Erfahrungen und ihr erstes Buch "Der Weg ist das Ziel - Hurra ich lebe noch", das im Wagner Verlag erschienen ist.

 

Mit 17 Jahren sind sie ohne finanzielle Mittel von zu Hause weggelaufen und lebten auf der Straße. Was hat Sie damals zu diesem Schritt bewogen?

Ich hatte Streit mit meiner Mutti. Ich dachte, dass ich allein besser dran wäre und ihre Hilfe nicht bräuchte. Also packte ich meine Tasche und ging.

Auf der Straße haben Sie Menschen kennengelernt, die Ihnen besonders zu Anfang aber auch später in Ihrem Leben geholfen und zur Seite gestanden haben. Für wie wichtig erachten Sie im Nachhinein diese Unterstützung?


Ohne diese Menschen wäre ich heute Tod. Sie gaben mir Halt und Sicherheit, zeigten mir wo ich schlafen konnte, ohne Angst zu haben. Sie beschützten mich. Wenn man auf der Straße lebt, dann ist es wichtig Menschen zu haben, denen man 100ig % vertrauen kann, egal was ist. Im Nachhinein muss ich sagen, waren diese Erfahrung wichtig für die Zukunft, denn ich weiß jetzt, dass man ohne Hilfe nicht weit kommt.

Für einige Zeit wohnten Sie bei einem jungen Mann, der sie mehrfach geschlagen hat. Wieso sind Sie trotzdem geblieben?


Weil ich nicht wusste, wo ich sonst hätte hingehen können. Ich hatte Angst vor ihm und ich dachte, wenn ich gehe, würde er mich suchen und totschlagen. Um des Friedens willen blieb ich.


Ihr Leben führte Sie wieder zurück auf die Straße bevor Sie sich dazu entschlossen, zu Ihrem eigenen Schutz in ein Frauenhaus zu ziehen. Können Sie kurz schildern was geschehen ist?

Ich war mit dem Mann, der mich geschlagen hatte bei einer Party. Es gab einen Streit und ich rannte weg. Ich rief die Polizei an, aber die haben mir auch nicht helfen können.

Als ich auflegte kam der Mann bei dem ich damals wohnte auf mich zu, wir gingen in seine Wohnung und da verprügelte er mich so sehr, dass ich wirklich Angst um mein Leben hatte. Ich lief aus der Wohnung, traf die beiden Obdachlosen, die ich am Anfang kennen gelernt hatte. Sie gingen mit mir zur Polizei. Ich machte eine Anzeige und so kam es, dass ich ins Frauenhaus zog.

Sie haben heute eine eigene Wohnung, einen guten Job, einen Alltag. Kürzlich erschien Ihr erstes Buch „Der Weg ist das Ziel- Hurra ich lebe noch“ im Wagner Verlag. Worum geht es in diesem Buch?

In meiner Biografie geht es um Gewalt, die ich erlebt habe, aber auch darum wie ich es geschafft habe, da raus zu kommen. Ich möchte mit diesem Buch Menschen Mut machen und ihnen zeigen, dass sie nicht allein sind. Man kann es schaffen aus dieser Spirale herauszukommen, wenn man sich eingesteht, dass man Hilfe braucht. Und glauben sie mir, in der heutigen Zeit ist es wichtig sich zu trauen und zu sagen „Ja, ich wurde geschlagen“ aber ich lasse es nicht mehr zu. Ich lasse mir helfen.

Als Sie auf der Straße lebten, waren sie oft Gast in einem Obdachlosen-Café. Heute arbeiten Sie dort ehrenamtlich, um anderen zu helfen. Wie fühlt es sich an, plötzlich auf der anderen Seite zu stehen?

Es ist schon ein komisches Gefühl. Früh kommt man da hin, da stehen die Leute schon vor der Tür, sie schauen einen mit ihren traurigen Augen an und lächeln trotzdem. Sie geben mir ein gutes Gefühl, weil ich ihnen helfen kann. So kann ich etwas zurückgeben. Wenn ich sehe, dass jemand sich freut wenn er etwas zu Essen bekommt, oder man ihm/ihr zuhört, egal welche Sorgen er/sie hat, dann weiß ich, hier bin ich richtig. Ein Lächeln sagt mehr als tausend Worte. Und das ist es, was für mich zählt.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?


Ich möchte noch einiges sehen, von der Welt. Einmal nach Las Vegas, zu Celine Dion, sie live erleben und einmal mit ihr sprechen. Nach Los Angeles – Hollywood sehen.

Ich will aber nicht nur Reisen, ich möchte noch etwas bewegen. Zum einen plane ich einen Gnadenhof für misshandelte Tiere zu gründen und zum anderen würde ich gerne das Frauenhaus, in dem ich eine Weile gelebt habe, unterstützen. Wie weiß ich noch nicht, aber vielleicht liest das ja jemand, der mich gern unterstützen möchte. Und wie alle, wünsche ich mir gesund zu bleiben und das Leben endlich zu genießen.


 




Das Interview mit Jaqueline S. führte Kathrin Sprotte

Der Weg ist das Ziel - Hurra ich lebe noch