Ingo Oschmann, die Stimmungskanone aus der ostwestfälischen Humorhochburg Bielefeld hat es endlich geschafft. Sein neues Live-Programm fegt über Deutschland. Mit Stargebot sprach er über das Thema soziales Engagement und Kinderarmut.

Herr Oschmann, sie haben Comedy ja quasi studiert und zu Ihrem Beruf gemacht. Woher kommt die Leidenschaft andere Menschen zum Lachen zu bringen?

Humor ist eine geniale Sache. Egal wie viele Probleme sie haben, sie sind in den 2 1/2 Stunden die ich in meinem Bühnenprogramm auf der Bühne stehe, verschwunden. Das gilt für mein Publikum wie für mich selber.  Es ist quasi ein Raum in dem es kein Grau gibt. Nur helle, freundliche Farben die Dich für den Moment glücklich machen. Eine große Party mit viel guter Laune aber ohne Nebenwirkungen und schwerem Kater am nächsten Morgen. Das ist genial!

Sie waren Sieger des Star Search und haben den Swiss Comedy Award bekommen. Außerdem sind Sie regelmäßig im Fernsehen zu sehen. Was bedeutet es für Sie, so viel Erfolg zu haben?

Die Freiheit selber zu entscheiden was ich tue und was nicht. Welche Projekte ich angehe oder was ich lieber sein lassen sollte. Ich kann/ darf mich mehr ausprobieren. Es ist ein Privileg diese Möglichkeiten haben zu dürfen. Ich habe z.B. zwei Monate in Düsseldorf Theater gespielt, was nicht nur erfolgreich war, sondern mir auch sehr viel Spaß gemacht hat. Ich darf Bücher schreiben, die sogar  verlegt werden. "Wie James Bond Bananen schält" hat sich mittlerweile so gut verkauft, das ich an weiteren Buchprojekten arbeiten darf. Ich kann mir so eigene Träume erfüllen. Ich liebe Hörspiele und bin sicher kein guter Sprecher, trotzdem darf ich bei „John Sinclair“ mitsprechen. Das ist einfach Gigantisch und ist nicht jedem vergönnt.

Als Zauberer haben Sie sicherlich auch viele Kinder zum Staunen gebracht. Wie sehen Sie die Kinderarmut in Deutschland? Was lässt sich dagegen tun?

Meine Wurzeln liegen in der Kinderunterhaltung. Ich trete heute noch in den Kindergärten auf, die mir damals die ersten Auftrittsmöglichkeiten geboten haben. Zur gleichen Gage wie damals. Auch veranstalte ich immer noch Zauberworkshops für Kinder. Die Art und Weise wie Kinder an dieses Thema herangehen hat sich jedoch verändert. Die Fantasie ist irgendwie abhanden gekommen. Kinder sitzen vorm TV und Computer und haben verlernt sich eigene Geschichten auszudenken. Es dauert heute viel länger die Kids zu motivieren, ihren eigenen Gedanken zu vertrauen. Schuld an dieser Misere sind jedoch nicht die Kids sondern die Eltern bzw die Soziale Struktur in der wir leben. Und da liegt meiner Meinung nach das Problem. Es gibt kaum noch Zusammenhalt innerhalb und außerhalb von Familien.

Früher gab es Nachbarschaftshilfen. Jeder hat dem anderen geholfen mit Problemen fertig zu werden. Heute denkt jeder erst einmal an sich, nach dem Motto: wenn jeder an sich selbst denkt, dann ist doch auch an Jeden gedacht. Warum mit Kindern kreative Spiele spielen, wenn es Fernsehen und Internet gibt. Das finde ich falsch. Es ist übrigens günstiger mit der Familie in den Wald zu gehen als sich vor den Computer zu setzten. Das so der Wert an Bildung und Wissen verloren geht ist ein logischer Prozess. Jeder weiß ob Paris Hilton ein Höschen an hat, aber keiner kennt noch Bodelschwingh. Armut hat immer auch etwas mit Bildung und Motivation zu tun. Sicher ist die Lebensführung jedem einzelnen selbst überlassen, aber die Leitragenden sind  in diesem Fall die betroffenen Kinder und dann ist es nicht mehr egal.

Thema Soziales Engagement in Deutschland – wie wird Ihrer Meinung nach damit umgegangen?

Es gibt viele freiwillige Helfer in Deutschland und es könnten sicher noch mehr sein. Den Grund habe ich oben bereits beschrieben. Was mich immer wütend macht ist, wenn Promis sich in die Zeitung setzten lassen und damit prahlen das sie Geld gespendet haben. Sie sollen es machen und die Klappe halten oder es einfach lassen. Aber nicht für eigene Promozwecke missbrauchen. Es gibt Projekte wo es für die Aktion hilfreich ist wenn ein Prominenter dafür wirbt, da somit eine größere Öffentlichkeit  erreicht wird. Dann finde ich das O.K. weil es um die Sache geht.

Einen Tag als Bundeskanzler. Was würden Sie ändern?

Änderungen haben in der Politik immer etwas mit der Angst von Kosten und eigenen finanziellen Belastungen zu tun. Ich würde mir wünschen, dass sich das Bewusstsein innerhalb unserer Gesellschaft ändert. Für andere, schwächere  Menschen da zu sein, zu helfen und seine Mitmenschen war zu nehmen, hat nichts mit Kosten zu tun, sondern mit dem eigenen Tellerrand. Das kann Morgens schon ein Lächeln beim Bäcker sein, mal nach der Alten nebenan zu schauen oder was vom Einkaufen mitzubringen. Ich glaube dann würde es allen besser gehen. Teilen heißt nicht nur Verzicht (Zeit und Geld) sondern auch Freude daran zu haben wenn es Anderen wieder besser geht.

Sie sind momentan mit Ihrem Programm „WUNDERBAR - es ist ja so!" auf Deutschland Tournee. Was steht dieses Jahr noch so in Ihrem Kalender?

Viele schöne Dinge auf die ich mich sehr freue. Die Tour nimmt zur Zeit sicher den größten Raum bei mir ein und es tut richtig gut wieder durch Deutschland zu fahren. Es geht mit der Familienbande im WDR Fernsehen weiter, was mir richtig viel Spaß macht. Es gibt neue Projekte im Kinderfernsehen an denen ich mitarbeiten kann und bei der es um Kreativitätsförderung geht. Ich schreibe gerade an einem neuen Buch und teste mich dort in einem, für mich, neuem Genre aus. Und dann ist da noch ein kleines Pflänzchen Namens Privatleben, das es verdient gehegt, gepflegt und  gegossen zu werden damit es nicht verdörrt sondern strahlen und blühen kann.

Das Interview mit Ingo Oschmann führte Valerie von Schilling.

 

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