Evelyn Schwab engagiert sich für den mildtätigen Verein UAAH e.V. - die Uganda Aidswaisen Ausbildung Hilfe. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder in Schwarz-Afrika, die zu Aidswaisen wurden, finanziell zu unterstützen.

In Uganda gibt es bei einer Gesamtbevölkerung von rund 29 Millionen Einwohnern 16 Millionen Kinder unter 15 Jahren, über 1 Millionen davon sind Aidswaisen.

Frau Schwab, der Titel verrät ja bereits, dass sich diese Hilfe an Kinder richtet, die ihre Eltern durch eine Aidserkrankung verloren haben – was kann man sich unter der Arbeit des Vereins konkret vorstellen?

UAAH ist nur in sehr ländlichen Gebieten im Südwesten Ugandas tätig – dort gibt es keine Infrastruktur und über zwei ugandische Ansprechpartner (es handelt sich dabei um katholische Priester) kümmern wir uns hauptsächlich um die Schul- und Ausbildung von HIV-Betroffenen Kindern und Jugendlichen, sowie um Frauengruppen.

Das von Deutschland geschickte Geld wird genau voraus geplant und exakt abgerechnet. Je nach Spendenaufkommen, können wir Berufsausbildung fördern. Jährlich bereisen wir auf eigene Kosten die einzelnen Projekte, kontrollieren und besprechen was geändert, bzw. gefördert wird.

Glücklicherweise benötigt man in dieser Region keine Waisenhäuser, da Verwandte und Freunde die Versorgung der Aidswaisen übernehmen. Allerdings mangelt es dann eben an den nötigen finanziellen Mitteln um alle Kinder zur Schule zu schicken und mit der notwendigen Schuluniform auszustatten. 

Mit dem UAAH waren Sie mehrfach in Uganda, können Sie Ihren Eindruck vom Land und speziell von den Kindern, die Sie getroffen haben, beschreiben?


Die Menschen im Allgemeinen sind von einer großen Zufriedenheit und strahlen einen gewissen Stolz aus. Man wird auf den Straßen weder angebettelt noch belästigt.

Das Land ist wunderschön und sehr fruchtbar. Es wurde von Churchill nicht umsonst die Perle Afrikas genannt. Es fehlt jedoch an der notwendigen Anleitung um mehr zu erwirtschaften.

Die Bevölkerung  ist schon glücklich, dass die schrecklichen Massaker unter der Führung von Idi Ami vorbei sind. Diese Schreckensherrschaft endete vor ca. 30 Jahren und heute sind die Menschen froh Frieden im Land zu haben, soweit dies unter der korrupten derzeitigen Regierung stattfindet.

Die Kinder sind sehr freundlich, fröhlich und aufgeschlossen. Sie gehen gern zur Schule. Bildung ist unserer Meinung nach die einzige Chance den Menschen in diesem Land zu helfen.

Ihr Verein unterstützt außerdem zwei weitere Projekte: FOCAV („Friends Of Care Vision“) und RENA („Rwenzori East Neighbours Association“). Können Sie diese Projekte kurz beschreiben und darstellen wie Ihr Engagement für das jeweilige Projekt aussieht?


FOCAV und RENA sind zwei ugandische "non-profit organizations" und deren Gründer, zwei katholische Pfarrer, sind unsere Ansprechpartner in Uganda. Über FOCAV unterstützen wir 3 Projekte -  3 Dorfgemeinschaften mit insgesamt etwa 150 Kindern.


Über RENA unterstützen wir die Ausbildung von etwa 30 Jugendlichen an der Saint Theresa Vocational School – das ist eine weiterführende Schule mit Lehrwerkstätten, die aber auch zum Abitur führen kann.

Ausserdem unterstützen wir über RENA eine Frauengruppe mit Aidswitwen, eine Frauengruppe die Ziegel herstellt und eine Gruppe von „Needy Orphans“.

Was hat Sie dazu veranlasst, die Uganda Aidswaisen Ausbildungshilfe zu unterstützen?


Die Tatsache, dass unser Verein sicherstellen kann, dass das Geld wirklich ankommt, wo es ankommen soll, ist für mich ein wichtiger Grund. Wir führen keinerlei Verwaltungsgebühren ab.

In unserem Umkreis gibt es generell mehr Bereitschaft in lokalen Problembereichen zu helfen. Afrika ist weit weg. Gerade deshalb muss es Menschen geben, die sich unseren Freunden in anderen Kontinenten annehmen.

Wenn man vor Ort hilft, besteht weniger die Notwendigkeit seine Heimat zu verlassen um im „reichen Europa“ sein Glück zu suchen.

Hilfe zur Selbsthilfe ist uns sehr wichtig.

Wie können Menschen, die sich für die Arbeit des UAAH interessieren, helfen?


Da gibt es die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Wir sind auf ehrenamtliche Mitarbeiter angewiesen, die uns beim Fundraising helfen und bei den Vorbereitungen zu unseren Veranstaltungen.

Wir suchen Kontakte zu Schulen – z.B. haben wir mit den hiesigen Schulen zum Welt-Aids-Tag am 1.12. aus Hefeteig Aids-Schleifen gebacken und verkauft. Die Schüler haben mitgeholfen, wir haben über das Thema Aids referiert und so unter dem Motto „Schüler helfen Schülern“ Geld für die Schulausbildung erhalten.

Wir kochen jährlich etwa 1000 Gläser Marmeladen und benötigen dazu möglichst kostenlos das Obst. Wir bitten deshalb um Kontakt, wenn jemand Obst im Überfluss im Garten hat.

Wir backen zu Ostern, Weihnachten und unseren Sommerfesten – auch dieser Verkauf generiert Geld, das in die Schulbildung gesteckt werden kann. Und auch dafür haben wir nicht genügend Helfer.

Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter arbeiten mit kreativem und handwerklichem Geschick Dekoratives für Haus, Garten und Geschenke – das macht unsere Märkte zu etwas Besonderem und unser Kundenstamm freut sich auf unsere Veranstaltungen.

Wir hätten gern mehr ehrenamtliche Mitarbeiter – auch junge Menschen in unserem Team. Die Arbeit wächst uns über den Kopf.

Wir sammeln Schuhe und schicken diese nach Uganda. Auch Schulmaterial und gut erhaltene Kleidung. Da wir diese Pakete in großen Umzugskartons per Post schicken, brauchen wir immer Packmaterial (Paketkleber, Umzugskartons, Luftpolsterfolie).

Es wäre ein Wunschtraum von uns wenn deutsche Handwerker sich bereit erklären würden, über einen längeren Zeitraum in Uganda Leute auszubilden und in ihrem Handwerk anzuleiten.

Auch junge Menschen sollten unbedingt ein Jahr sozialen Dienst in Afrika leisten. Das bereichert den Horizont und trägt zum besseren Verständnis in unserer globalen Welt bei.

 

 




Das Interview mit Evelyn Schwab führte Kathrin Sprotte