Dr. Juliane Diller, geborene Koepcke, wächst teils in Lima teils im Urwald auf, wo ihre Eltern in den 1960er Jahren die Forschungsstation Panguana gründen.

 

Nach einem tragischen Flugzeugabsturz 1971, schlägt sich das damals 17-jährige Mädchen als einzige Überlebende elf Tage durch den peruanischen Dschungel- und überlebt!

 

Heute arbeitet die promovierte Biologin an der Zoologischen Staatssammlung München und leitet die Forschungsstation Panguana in Peru. Ihr Buch Als ich vom Himmel fiel erscheint jetzt, vierzig Jahre später, im Piper Verlag.


Frau Dr. Diller,  warum haben Sie sich nach fast vierzig Jahren entschlossen ein Buch über Ihre Geschichte zu veröffentlichen?


Das war ein langer Prozess. Dass ich meine Geschichte erzählen wollte, wusste ich schon immer. Aber am Anfang war noch alles zu nah und Panguana war für mich noch nicht aktuell. Außerdem hatte ich dazu keine Zeit. Ich musste ja schließlich zur Schule gehen und danach habe ich studiert. Deswegen gingen die Jahre erst einmal ins Land.


Als dann 2009 zwei Passagiermaschinen abstürzten, gab ich der Süddeutschen Zeitung ein Interview. Der Artikel bekam eine starke Medienresonanz. Eines Tages rief mich Frau Proske von Ariadne Buch an und schlug mir vor, das Buch, mein Buch, doch noch zu schreiben.

 

Ich wollte das sehr gerne machen, aber bedingt durch meine Arbeit, die zahlreichen Expeditionen nach Südamerika und durch die Leitung von Panguana hätte ich das alleine nicht geschafft. Deshalb stellte mir Frau Proske eine Ghostwriterin zur Seite, die Als ich vom Himmel fiel zusammen mit mir und anhand meiner Erzählungen nun verfasst hat.

 

Sie selbst sagen, Sie haben eine Mission in Panguana- was ist das für eine Mission?


Mit 14 Jahren bin ich auf die Station gekommen – ein wunderschöner Ort. Für mich war es Liebe auf den ersten Blick. 1998 hat mich mein Mann, der wie ich Zoologe ist, zum ersten Mal dorthin begleitet. Auch er wusste sofort, dass man in diesen Wäldern gut forschen konnte.

 

Also haben wir 2000 eine Exkursion von der Zoologischen Staatssammlung München nach Panguana gemacht. Wir stellten fest, dass viele der Insekten noch gar nicht bekannt waren. In dem Gebiet leben möglicherweise 10-12.000 Arten von Kleinschmetterlingen, die nicht mal ansatzweise untersucht sind.

 

Alle waren von der Artenvielfalt des peruanischen Urwaldes begeistert und so wurde die Forschung nach längerer Unterbrechung wieder aufgenommen.


Uns liegt heute besonders viel an der Erhaltung des Regenwaldes. Zu Zeiten des Klimawandels und erhöhter CO2 Ausstöße, ist ein Emissionsausgleich wichtig. Eines unserer Ziele ist daher, die Umweltschädigung durch das Schützen der Wälder niedrig zu halten.

 

Außerdem wollen wir die Bevölkerung in unsere Projekte mit einbinden und sie verstehen lassen, was wir machen. Deswegen gehe ich auch in Schulen und berichte über Panguana. Schüler kommen auch zu uns auf die Station. Wir möchten, dass die Kinder früh lernen, die Natur zu schätzen und zu schützen.


Wie finanziert sich die Station?


Das ist alles privat. Ein Kollege, mit dem ich 1982 in Panguana war, hat mit mir zusammen 2007 einen Artikel geschrieben. Auf Grund dieses Artikels ist die Hofpfisterei München auf die Station aufmerksam geworden.

 

Siegfried Stocker kam zusammen mit seiner Frau Margaretha zu uns, und beide wollten sich  sofort engagieren: die Artenvielfalt zu erhalten und dabei zu helfen, Panguana zu vergrößern und  zu einem offiziell anerkannten Naturschutzgebiet zu machen. Das war ihr größtes Anliegen.

 

Außerdem wollten sie die Infrastruktur verbessern und die umliegende Bevölkerung der Umgebung fördern. Mit Hilfe der Hofpfisterei liefern wir z.B. Schulmaterial, versorgen die Kinder mit Spielzeug und reparieren den Brunnen.


Gibt es eine Homepage von Panguana?


Es gibt die Homepage www.panguana.de. Die Seite wird derzeit noch von meinem Kollegen Andreas Schlüter betreut.  Im Laufe des Jahres werde ich sie von ihm übernehmen. Ich möchte die Seite aktualisieren und noch besser auf Panguana abstimmen.


Die Zoologische Staatssammlung München bietet auch eine Kurzdarstellung der Station an: www.zsm.mwn.de/panguana/


Glauben Sie, Sie hätten die elf Tage nach dem Absturz im Dschungel überlebt ohne dort aufgewachsen zu sein?


Eher nicht, ich wusste ja hauptsächlich durch meine Regenwaldaufenthalte, was zu tun war. Mit vier Jahren war ich das erste Mal mit meinen Eltern im Urwald und kannte das Leben abseits der Zivilisation.

 

Während der elf Tage, mied ich beispielsweise Stellen, an denen ich mit gefährlichen Tieren rechnen musste. In dieser Hinsicht hat mir das Aufwachsen in Panguana das Leben gerettet. Wenn ich nach meinem Engagement für den peruanischen Dschungel gefragt werde, erkläre ich immer: Damals hat mich der Wald gerettet, jetzt rette ich ihn!

 

 




Das Interview mit Dr. Juliane Diller führte Corinna Busch.

Das Buch

Die Forschungsstation Panguana