
© Dr. André Borsche
Dr. André Borsche (55) ist seit 1999 Vorsitzender von INTERPLAST-Germany. Der gemeinnützige Verein setzt sich weltweit für Plastische Chirurgie in Ländern der Dritten Welt ein.
Wie entstand die Idee zu Interplast Germany e.V.?
Dass wir in Deutschland in einer Welt des Wohlstandes und der optimalen medizinischen Versorgung geboren wurden ist kein Eigenverdienst, sondern Glück.
Kinder mit Fehlbildungen oder Verbrennungsfolgen hingegen, die in einem Entwicklungsland aufwachsen müssen in dem es für ärmere Menschen keine Möglichkeit der Plastischen Chirurgie gibt um Krankheiten dieser Art zu behandeln, haben weniger Glück und tragen selbst keine Schuld an ihrem Schicksal.
Deshalb haben sich auf Initiative von Gottfried Lemperle Plastische Chirurgen aus Deutschland zusammengetan und 1980 INTERPLAST in Frankfurt gegründet.
Was sind die genauen Ziele und Aufgaben von Interplast?
Die Freude anderen Menschen sinnvoll helfen zu können beflügelt Ärzte, Schwestern und Pfleger. Nur so können wir möglichst vielen Bedürftigen in den INTERPLAST-Einsätzen durch plastisch-wiederherstellende Operationen helfen.
Dabei werden in erster Linie Patienten mit Gesichts- und Handfehlbildungen, Lippen/Kiefer/Gaumenspalten sowie schwer entstellenden Verbrennungsnarben und Verstümmelungen durch Kriegsfolgen behandelt.
Immer wieder sind es die Kinder, deren Schicksal uns tief berührt und wir alles in der Macht unternehmen ihnen zu helfen, da sie ihr Leben noch vor sich haben. Praktizierte Nächstenliebe kennt keine Grenzen und gibt auch unserem Leben einen Sinn!
Wie sieht die Arbeit von INTERPLAST konkret aus?
Ein Sprichwort sagt: „Gibst Du einem Menschen einen Fisch, so hat er heute zu essen. Lehrst Du ihn aber selber zu Angeln, kann er in Zukunft seine Familie auch selber ernähren.“
Eine besonders wichtige Aufgabe bei den Hilfseinsätzen ist die Ausbildung interessierter einheimischer Ärzte, Pfleger und Schwestern , um sie in die Lage zu versetzen, selber ihren Patienten besser helfen zu können. So ist es immer wieder eine große Freude bei wiederholten Einsätzen an den gleichen Ort mit zu erleben, mit welchem Erfolg die ausländischen Kollegen die erlernten plastisch-chirurgischen Standardtechniken wie Hauttransplantationen und Lappenplastiken angewendet haben.
So können wir uns dann gemeinsam den komplizierteren Operationen widmen und einen gleichberechtigten Erfahrungsaustausch aufbauen. Im Zeitalter von digitaler Fotografie und E-Mail halten wir auch über den Einsatz hinaus gerne den Kontakt, um über die Spätergebnisse der behandelten Patienten zu erfahren. Die Qualität der geleisteten Hilfe liegt uns sehr am Herzen.
Wie viele Unterstützer/ Stifter haben Sie?
INTERPlAST-Germany lebt allein von dem ehrenamtlichen Engagement seiner Mitglieder. Immer mehr Menschen sind von der Idee begeistert, so dass unser Verein schon fast 1.500 Mitglieder zählt. Die Einen wirken als aktive Helfer, die Anderen sind als Fördermitglieder aufgerufen mit viel Einfallsreichtum unser Wirken zu unterstützen.
Der Vorstand in Bad Kreuznach und die 12 Sektionen in Deutschland arbeiten ohne großen Verwaltungsaufwand, organisieren die Auslandseinsätze (67 Einsätze im Jahr 2009) und unterhalten 2 Krankenhäuser in Nepal und Brasilien. Die Einsatzkosten werden über Spenden an den Verein finanziert und 2 Fördervereine „Pro-Interplast“ leisten dabei wesentliche Unterstützung (Kosten pro Einsatz 15.00 -30.000 Euros).
Ihre Hilfe ermöglicht unser Handeln – gemeinsam können wir etwas zum Guten in der Welt beitragen!
Das Interview mit Dr. André Borsche führte Markus Herbst.

