
© Konstantin Eulenburg
Nina Wortmann sitzt seit acht Jahren im Rollstuhl.
Seit einem schweren Autounfall ist sie querschnittsgelähmt.
Ihre Tochter, die mit im Auto saß, blieb glücklicherweise unbeschadet. Mit der Hilfe ihrer Familie und Freunde kämpfte sie sich zurück ins Leben.
Im Stargebot-Interview erzählt sie, wie sie 2004 ihrem Traumjob immer näher kam und warum sie sich für die Organisation "my handicap" einsetzt.
Liebe Nina, erst einmal vielen Dank dafür, dass du dir die Zeit nimmst, uns einige Fragen für Stargebot - Your Charity World zu beantworten.
Im Jahr 2004 begann deine Modelkarriere. Viele junge Frauen im Rollstuhl schauen zu dir auf und bewundern dich für deine Stärke. Was kannst du jungen Frauen raten, die auch wie du eine Karriere im Modelgeschäft anstreben?
Das Allerwichtigste ist ein gesundes Selbstwertgefühl, egal ob das Model eine Behinderung hat oder nicht. Mittlerweile habe ich schon für mehrere Projekte vor der Kamera gestanden und viele Menschen kennengelernt. Jeder hatte andere Anforderungen an mich und ich habe gelernt sehr wandelbar und diszipliniert zu sein. Auf Kommando zu lachen, ernst zu gucken oder zu schreien - das alles habe ich vor dem Spiegel geübt.
Aussehen wie ein Model kann jeder. Dazu benötigt man genau drei Dinge: eine Visagistin, einen Stylisten und einen guten Fotografen.
Deshalb ist gerade die Mimik und die Ausstrahlung im Gesicht und in den Augen das Wichtigste. Nur so bekommt man einen Wiedererkennungswert.
Genau genommen habe ich durch meinen Rollstuhl einen noch stärkeren Wiedererkennungswert bekommen. Genau deshalb sehe ich auch überhaupt kein Problem darin, wenn sich Behinderte, Kleinwüchsige, dicke oder große Menschen schön finden und genau das präsentieren.
Es gibt mittlerweile mehrere behinderte Menschen auf der Welt, die zeigen, dass es klappt, als Model oder Schauspielerin zu arbeiten und erfolgreich zu sein.
Gesellschaftlich bekomme ich viel positive Resonanz, aber es ist in der „Branche mit der Schönheit“ hier in Deutschland sehr schwer Fuß zu fassen als behinderte Frau.
Ich möchte den vielen jungen Menschen den Mut geben, zu sich selbst und ihrem Körper zu stehen. Man sollte sich einfach vor den Spiegel stellen, sich so akzeptieren und schön finden, wie man ist und nicht wie das Hochglanzmagazin "XYZ" uns das noch immer vorlebt.
Du spielst aktiv Rollstuhl-Rugby. Wie kam es dazu und ist das nicht gefährlich?
Ich bin über die Kochsendung „ Dinner for everyone“ als Gast zur "Rehacare-Messe" nach Düsseldorf zu ihrem Stand eingeladen worden, an dem wir fleißig gekocht haben. Am Ende des Tages bin ich durch die restlichen Hallen gerollt, bis mir plötzlich mein jetziger Trainer den Weg versperrte und mir erklärte, was Rugby ist.
Na ja, gefährlich ist Rugby spielen genau genommen nicht, aber Verletzte gibt es eben mal. Ich sage mir immer, dass man das sportlich sehen muss.
Die erste Regel, die mir gesagt wurde: Rollstuhlkontakt ist erwünscht, aber eine Person im Rugbyrollstuhl darf nicht berührt werden. Es kommt auch vor, dass Rollstühle bei Angriffen umfliegen. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn man wird sofort wieder aufgehoben.
Rugby spielen ist wie Schach spielen, nur noch viel komplizierter als das Brettspiel, da sich die Figuren ziemlich schnell bewegen und schlauer sind.
Du engagierst dich für die Hilfsorganisation "My Handicap" und bist sogar offizielle Botschafterin. Warum ist dir soziales Engagement so wichtig?
Ich bin selbst Betroffene und finde es sehr wichtig, Menschen zu helfen, die durch ihre Behinderung sozial „unten an der Treppe“ stehen.
Jeder von uns, der sagen kann “mir geht es gut“, sollte etwas davon abgeben.
Durch die Unterstützung deiner Familie hast du dich nach deinem Unfall zurück ins Leben gekämpft. Was wünscht du dir heute noch für die Zukunft?
Dass mein Leben so weiterläuft wie bisher.
Mein Model-Traum wäre eine Kosmetik- oder Modekampagne.
Gibt es aktuelle Projekte, auf die sich deine Fans nächstes Jahr freuen können?
Oh ja, das gibt es und das wird im Frühjahr 2012 veröffentlicht werden.
Das Interview mit Nina Wortmann führte Sarah Schlifter.

