Boris Entrup ist ein Beauty-Experte, Make-up Artist und Buchautor. Bekannt wurde er durch die zweite Staffel von Germany’s Next Topmodel, wo er als Juror auftrat.

Wöchentlich gibt er als Styling-Experte von Maybelline Jade Schminktipps für Deutschland. Im Interview spricht er über seinen Job, das Modelbusiness und sein soziales Engagement.

Ihre Karriere beginnt zunächst im Friseursalon von Thomas Kemper. Wussten Sie schon damals, dass Sie einmal „Head of Make-up“ der Berliner Fashion Week werden würden?


Nein, das war natürlich nicht planbar. Klar wollte ich viel erreichen, aber es gibt viele gute Make-up Artisten, die Konkurrenz ist sehr groß und man kann das so nicht vorprogrammieren. Höchstens sich positiv konditionieren. Man könnte sagen, dass bei mir alles mit meinem grundsätzlichen Interesse an Menschen und deren eigenen Stilen, deren Gestik, Mimik, Kleidung, Haare und Make-up begonnen hat.

Die Kommunikation mit Menschen, Kreativität und dass ich mit meinen Händen etwas schaffen kann, das ist für mich spannend. Schon während meiner klassischen Friseur-Ausbildung habe ich mich parallel immer auch mit Make-up auseinandergesetzt, um alle Möglichkeiten der Veränderung und des Stylings zu nutzen. Nach der Lehre habe ich mich sehr schnell selbständig gemacht und es kam eins zum anderen.

Wie sieht Ihr Tagesablauf während der Berliner Fashion Week aus?

Die erste Show beginnt in der Regel um 10.00 Uhr, das heißt, ich muss um 7.00 Uhr mit dem gesamten Make-up Team hinter der Bühne antreten und die Mädchen wie auch die Jungs schön machen.

Ich stehe um 6.00 Uhr auf, frühstücke und laufe los. Spätestens vor Ort packt mich das Fashion Fieber, denn es herrscht bereits ein buntes Treiben vor und im Zelt. Das Make-up Team, das Hair-Team, 27 Models und der Designer mit den Assistenten und Anziehhilfen sind bereits für die Vorbereitung zur Show da.

Zuerst rufe ich mein Make-up-Team zusammen, wünsche allen einen erfolgreichen Tag, schaue, ob alle da sind und gehe nochmal kurz durch, was gemacht werden muss. Ich mache das sogenannte Briefing, demonstriere vor jeder Show nocheinmal das Make-up der Show. Dann geht es an die Arbeit. Jeder Make-up Artist, auch ich, schnappt sich ein Model und beginnt mit der Arbeit. Wer fertig ist, wird weiter zum Friseurteam oder dazwischen auch zur Mani-/Pediküre geschickt. Ich mache nicht nur selber Models fertig für die Show, sondern schaue mir jedes Einzelne nochmal an und gebe es dann frei, wenn alles perfekt passt.

2 bis 3 Stunden später sind alle Models geschminkt, die Haare sitzen perfekt und alle stehen in der Reihenfolge der ersten Runs im Line-up. Bevor es losgeht bekommt jedes einzelne Model von mir nochmal ein letztes Touch-up.

Nach der Show gehen wir direkt in den 2. Vorbereitungsraum, denn es geht gleich weiter mit anderen Models für einen anderen Designer…

Unterbrochen von kleinen Pausen, Interviews, Mittagessen, etwas trinken, mal kurz Luft schnappen oder einfach kurz rausgehen, um mich wieder zu konzentrieren, geht das manchmal so bis 22.00 Uhr. Je nachdem, wie viele Schauen pro Tag laufen.

Nach Schluss bin ich zwar müde, aber auch immer noch aufgedreht vom Tempo des Tages. Deswegen gehe ich manchmal auch noch kurz aus. Lang und ausschweifend darf es nicht sein, denn ich muss 4 Tage durch halten.
Ich liebe diese Arbeit und freue mich am Ende jeder Fashion Week schon auf den nächsten Einsatz.

Als Juror bei GNTM genau wie in Ihrem Job, sind Sie täglich in der Mode- und Modelwelt unterwegs. Darüber hinaus haben Sie zwei Bücher über das Thema „Beauty“ geschrieben. Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach gutes Aussehen in unserer Gesellschaft?


Meiner Erfahrung nach ist gepflegtes Aussehen sehr wichtig dafür, wie man wahrgenommen wird. Gut aussehen kann jeder Mensch, da stören auch keine abstehenden Ohren oder etwas ähnliches. Im Gegenteil, kleine Makel können sexy wirken oder die Persönlichkeit unterstreichen. Und gutes Aussehen ist, was das Make-up betrifft, mit etwas Übung ganz einfach.

Meiner Meinung nach geht es darum, sich authentisch zu stylen, von Kopf bis Fuß, damit man sich wohlfühlt und es dem Anlass entsprechend passt. Wer sich wohlfühlt, der wird strahlen, gut aussehen und positiv wahrgenommen werden.

Sie sind Botschafter der Charity Projekte „Eastpak/Runway“ und „Dunkelziffer e.V.“ Können Sie kurz was zu den Projekten und Ihrem Engagement sagen?

Mir war es noch nie egal, wie es anderen Menschen geht! Ich denke jeder Mensch braucht manchmal Unterstützung. Im Fall von Dunkelziffer e.V. sind es Kinder und Jugendliche, die unsere Hilfe benötigen, um ihr Leben nach traumatischen Erlebnissen, wie zum Beispiel Missbrauch, positiv weiterzuleben und irgendwann über die Erlebnisse hinweg zu kommen.

Bei den Projekten von Runway bekommen Jugendliche eine zweite Chance und ein Umfeld, das an sie glaubt. Dadurch können sie die eigenen Kräfte in die richtige Richtung mobilisieren. Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft – und wir sollten ihnen helfen, sie auch zu leben.


Wie sind Sie zu diesem Engagement gekommen?


Ich bin vor Jahren angesprochen und eingeladen worden, mir die Projekte anzusehen. Die Arbeit der beiden Initiativen hat mir von Anfang an gut gefallen, weil sie nachhaltig betrieben wird. Deswegen war ich gleich dabei und bin es heute noch.


 
 




Das Interview mit Boris Entrup führte Kathrin Sprotte

Die Homepage von Boris Entrup

Boris Entrup Make-up School