Wolfgang Büscher ist Sprecher des Kinderprojektes "Die Arche" und engagiert sich voller Herzblut gemeinsam mit Arche-Gründer Pastor Bernd Siggelkow für Kinder in Deutschland.

"Die Arche" verzeichnet mittlerweile sechs Einrichtungen deutschlandweit und fand bereits auch viele prominente Unterstützer wie Marietta Slomka, Xavier Naidoo oder Erdogan Atalay.

Herr Büscher, „Die Arche“ hilft Kindern, die am Existenzminimum leben. Wie gehen Sie hierbei vor und wie sieht der Arbeitsalltag der Arche aus?

Wir verstehen uns als Ergänzung zur Familie. Wir leisten all das, was die Familien nicht leisten können, oder manchmal auch wollen. Wir fordern und fördern die Kinder, wir versuchen ein nachhaltiger erwachsener Freund der Kinder zu sein.

Die Kinder kommen nach der Schule in die zehn Archen in Deutschland, können kostenlos essen - auch mit ihren Eltern -  Schulaufgaben zusammen mit einer Lehrerin machen, spielen, basteln, Sport treiben und vieles mehr. Wir versuchen rund um die Uhr für die Kinder da zu sein.

Was würden Sie gerne langfristig für Kinder in Deutschland ändern?

Die Gesellschaft muss wieder für alle Kinder da sein. Mehr als die Hälfte aller Kinder wachsen inzwischen in Deutschland in Armut auf. Essen, Bildung und Gesundheit kosten Geld. Diese Kinder können am wenigsten für die Situation ihrer Eltern, müssen aber darunter leiden.

Von den 2ooo Kindern, die in Deutschland in die Archen gehen, besucht kein Kind das Gymnasium. So etwas darf nicht sein. Wir verstoßen als Land gegen die UN-Menschenrechtscharta für Kinder, denn Kinder haben ein Recht auf Gesundheit und Bildung. Aber beides ist für Kinder aus armen Familien unerreichbar. Wir schaden unserer eigenen Zukunft.

Wo besteht Ihrer Meinung nach der größte Bedarf an Unterstützung bzw. in welchen Bereichen müssen sich Dinge ändern?

Kinder brauchen ein eigenes Einkommen, das als Sachleistung in Schulen ausgezahlt werden kann. Ein kostenloses Schulfrühstück und auch Mittagessen, kostenloser Nachhilfeunterricht, Bücher, individuelle Förderung, all das würde unseren Kindern und damit unser aller Zukunft gut tun. Im Moment schaden wir uns als Gesellschaft, weil die Armen und Reichen immer weiter auseinanderdriften.

Welche Erfolge konnte die Arche bereits feiern?

Wir kennen zahlreiche Arche-Kinder, die früher zu uns gekommen sind und heute einen Beruf ausüben und auch eigene Familien haben.

Ein Mädchen hat kürzlich der Welt am Sonntag ein Interview gegeben und gesagt: "Ohne die Arche wäre ich jetzt tot". Das sollte uns allen zu denken geben. Wir dürfen kein Kind alleine lassen!

Was ist es für ein Gefühl Menschen ein wenig Glück und Aufmunterung zu schenken und ein Lächeln zurückzubekommen?

Das Schönste ist, Menschen etwas geben zu dürfen. Wenn wir die glücklichen Kindergesichter in der Arche sehen, ist das eine wunderschöne Belohnung. Die Kinder vergessen in der Arche für einen Moment ihren Kummer und ihre Sorgen.

 




Das Interview mit Wolfgang Büscher führte Jennifer Simon