1995 veränderte sich das Leben von Andrea Sixt - Diagnose Brustkrebs. Prognose ein Jahr. Wo immer sie sich aufhielt, nutzte sie jede Gelegenheit, sich ein umfangreiches Wissen über die Erhaltung der Gesundheit und die verschiedenen Heilungsmethoden anzueignen. Sie sprach mit Schamanen, Therapeuten, Ärzten, Wissenschaftlern und Überlebenden.
Um Hoffnung zu geben und Mut zu machen, mit dem Tabuthema Brustkrebs offen umzugehen, verfasste sie fünf Jahre nach ihrer Brustkrebserkrankung den autobiographischen Roman "Noch einmal lieben", der im April 2005 verfilmt wurde. Neben ihrer Tätigkeit als Drehbuchautorin und Schriftstellerin ist Andrea Sixt Mitbegründerin von „ Brustkrebs Deutschland e.V." und Botschafterin der "Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr".
Mit Stargebot sprach sie über ihre Erkrankung und ihr Engagement für betroffene Patientinnen.
Im April ist Ihr neues Buch „7 Sicherungen für ein Leben nach dem Krebs: Der Wegweiser für ein starkes Immunsystem“ erschienen. Worum geht es?
Mit dem Buch möchte ich Menschen motivieren, Aktiv zu werden und Eigenverantwortung zu übernehmen. Ich zeige die besten Wege auf, dem Krebs vorzubeugen bzw. als Betroffener alles zu tun, um zu Gesunden.
Sie sind 1995 selber an Krebs erkrankt. Wie hat diese Diagnose Ihr Leben verändert? Was raten Sie betroffenen Frauen?
Nach der Diagnose hat sich mein Leben komplett verändert. Da ich mich gegen Chemotherapie und Bestrahlung entschieden hatte, musste ich selbst sehr viel dazu tun. Durch die sehr spezielle und individuelle homöopathische Therapie nach Dr. Dragos, habe ich mich sehr viel mit meiner Lebenskraft auseinandergesetzt. Ich habe alles, was nicht gut für mich ist, aus meinem Leben entfernt. Das fing bei den Zigaretten und der Wurst an und hörte bei den falschen Freunden auf. Dadurch wurde ich immer gesünder, körperlich und seelisch und kann deshalb sagen, dass es mir heute mit fünfzig viel besser geht, als mit dreissig. Für mich persönlich war dieser Schicksalsschlag das Beste, was mir passiert ist.
Seit Jahren wird in den Medien und unter Ärzten das Thema Brustkrebsvorsorge diskutiert. Eine große Auswertung von Mammographie-Daten zeigt statistisch wenig Vorteile und viele Nachteile für Frauen. Fachleute fordern eine ausgewogenere Darstellung der Sinnhaftigkeit des Verfahrens. Was halten Sie davon?
Früherkennung ist wichtig und hat auch mir das Leben gerettet. Ich würde mich aber immer mit meinem Gynäkologen beraten, weil dieser das Gewebe und die Struktur meiner Brust gut kennt und mich nicht nur auf die Augen der Röntgenologen verlassen. Chemotherapie , Bestrahlung oder Hormontherapie würde ich ganz genau abwägen. In vielen Fällen sind diese Therapien gar nicht nötig und sogar kontraproduktiv.
Das schwierigste für Frauen die an Brustkrebs erkranken, ist ihre Weiblichkeit durch Brustamputation und Haarausfall zu verlieren. Wie erging es Ihnen damit?
Das Problem mit den Haaren hatte ich nicht, da ich keine Chemotherapien gemacht habe. Meine Weiblichkeit musste ich nach der Amputation esrt wieder finden. Ich war erstaunt, wie die Männer reagiert haben. Letztlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass es völlig egal ist, ob eine Brust oder zwei. Wenn ein Mann ein guter Typ ist, ist er das auch bei einer Brust und wenn er ein Idiot ist, ist er das auch bei zweien. Ich finde das sehr beruhigend.
Neben ihrer Tätigkeit als Drehbuchautorin und Schriftstellerin sind Sie Mitbegründerin von "Brustkrebs Deutschland e.V." und Botschafterin der "Gesellschaft für Biologische Krebsabwehr". Woher nehmen Sie die Kraft all das unter einen Hut zu kriegen?
Auf Grund meiner Therapie , die Ernährung und der Bewegung habe ich mehr Energie als früher. Trotzdem muss ich immer auf der Hut sein, nicht wieder den alten Fehler zu machen, indem ich mich verzettle.
Ein Zitat von Ihnen lautet: "Krebs ist eine Aufgabe, die wir aktiv lösen müssen". Wie wird in Deutschland Ihrer Meinung nach mit diesem Thema umgegangen?
Noch immer erwarten zu viele Menschen, dass es der Arzt schon richten wird. Doch der beste Arzt kann nicht Heilen, wenn der Patient nicht aktiv mitmacht, denn letztendlich heilt der Mensch sich selbst. Genau das wird meiner Meinung nach viel zu wenig vermittelt und genau darum habe ich die beiden Bücher geschrieben und bin an die Öffentlichkeit gegangen. Es wird in Deutschland zu wenig Aufklärung betrieben, was der Gesundheit schadet und was ihr nützt. Prävention wird vollkommen aussen vor gelassen. Wir haben hier eine Krankenpolitik und keine Gesundheitspolitik.
Das Interview mit Andrea Sixt führte Valerie von Schilling.

