Seit November 2008 verantwortet Anders Sundt Jensen die Markenkommunikation von Mercedes-Benz Cars. Zudem ist er Geschäftsführer von Laureus. Laureus ist eine weltweite Bewegung, die mit der Kraft des Sports Menschen zu einem guten Zweck zusammenschließt.

Laureus besteht aus drei Teilen – der Laureus World Sports Awards, der Laureus World Sports Academy und der Laureus Sport for Good Foundation. In dieser Konstellation zeichnet Laureus einerseits jährlich die besten sportlichen Leistungen aus und setzt andererseits Sport als Mittel zu sozialem Wandel und Integration ein.

Stargebot sprach mit Anders Sundt Jensen in Stuttgart.

Vielen Dank, Herr Jensen, dass Sie sich Zeit für Stargebot nehmen...

Das ist für mich selbstverständlich. Sie engagieren sich mit Stargebot - Your Charity World für verschiedene wohltätige Zwecke und sorgen vor allem dafür, dass Menschen auf die Tätigkeiten und Inhalte von sozialen Organisationen aufmerksam werden. Das ist eine tolle Sache und dafür nehme ich mir gerne die Zeit.

Stichwort soziales Engagement von Wirtschaftsunternehmen. Was ist Ihre persönliche Einstellung zu diesem Thema?

Das ist für mich ein absolutes "Muss". Ein Unternehmen wie zum Beispiel Daimler mit rund 270.000 Mitarbeitern weltweit ist im Grunde eine Gesellschaft in der Gesellschaft. Und da ist es eine Selbstverständlichkeit, dass wir uns auch sozial engagieren und eine Verantwortung für die Entwicklung der Gesellschaft übernehmen.

Eines ist mir jedoch sehr wichtig: Wir setzen unser soziales Engagement nicht für Marketingzwecke ein. Das ist einerseits nicht glaubwürdig und andererseits wäre es nicht dauerhaft. Wir richten unser Engagement nicht an der Frage aus, welches Projekt am medienwirksamsten erscheint.

Es geht bei uns darum, dass unser Engagement authentisch und nachhaltig angelegt ist.

Sie reisen viel, sind zum Beispiel oft in den USA und England. Sie selbst sind in Norwegen geboren und aufgewachsen. Welche Unterschiede im sozialen Engagement merken Sie im internationalen Vergleich zu Deutschland?

Das kann man schwer vergleichen. Die Unterschiede in den sozialen Strukturen in Westeuropa und den USA sind groß. Das erklärt sich aber aus den historischen Wurzeln beider Gesellschaften. Aber auch innerhalb Europas gibt es große Unterschiede, was z.B. das soziale Netz anbetrifft.

In den USA ist die Eigenverantwortung deutlich stärker ausgeprägt. Das lässt sich schon aus der Verfassung ableiten und hat seinen Ursprung bei den ersten Siedlern, die ja gerade den starren europäischen Verhältnissen entkommen wollten. Daher ist auch der Charity-Gedanke, also jeder gibt freiwillig etwas von seinem Wohlstand für andere ab, stärker ausgeprägt als in Europa, wo man sich eher auf den Staat verlässt, der alles regelt. Ein Amerikaner, der es zu etwas gebracht hat, hat sein Leben lang die Einstellung, dass er davon einen beträchtlichen Teil an die Gesellschaft zurückgeben muss.

Aber auch Deutschland ist ein großes Spendenland. Was vielleicht manchmal etwas fehlt, ist die Einstellung in schwierigen Zeiten, jetzt krempeln wir mal alle die Ärmel hoch und unternehmen was. Aber hier beobachte ich in letzter Zeit eine positive Veränderung – nicht zuletzt auch bei unseren Laureus-Aktivitäten. Das Engagement wächst von Jahr zu Jahr.

Sind Sie selbst in einer Familie aufgewachsen, in der soziales Engagement ein Thema war?

Das bin ich in der Tat. Ich bin in Norwegen in einem Umfeld aufgewachsen, in dem es ganz selbstverständlich war und ist, sich sozial zu engagieren. Meine Mutter zum Beispiel hat ihr ganzes Leben lang immer verschiedene soziale Initiativen gestartet, die sie alle bis zu ihrem Tod geleitet hat.

Alle ihre Initiativen waren sehr erfolgreich – in diesem Geist bin ich groß geworden. Ich habe dadurch sehr früh gelernt, vor den Menschen Respekt zu haben und sie nicht danach zu bewerten, wo jemand herkommt oder wie er aussieht.

Jeder Mensch hat immer – in irgendeiner Form – seine Chance verdient. Wir sollten nicht wegschauen, wenn Dinge vor unserer Haustür passieren – und wir sollten Anteil nehmen am Leben der anderen Menschen. Das ist zum Beispiel auch ein Grund für unser Engagement mit Laureus.

Was sind die Aufgaben und Ziele von Laureus?

Das Thema Sport an sich ist bereits faszinierend – Sport vereinigt Menschen und gibt vielen Menschen eine Perspektive. Die Laureus Sport for Good Foundation und die Laureus World Sports Awards wurden 1999 von der Daimler AG und Richemont ins Leben gerufen. Zum einen soll Sport als Mittel zu sozialem Wandel eingesetzt werden und zum anderen werden alljährlich die besten Sportlerinnen und Sportler der Welt ausgezeichnet.

Die Laureus Sport for Good Foundation fördert zurzeit mehr als 70 soziale Projekte weltweit. Die Arbeit der Stiftung kommt vor allem Kindern und Jugendlichen zugute, die unter Armut, Krieg, Gewalt, Obdachlosigkeit, Drogenmissbrauch, Diskriminierung und AIDS leiden.

In Berlin gibt es zum Beispiel die Initiative „KICK on Ice“ mit Katarina Witt. Ziel ist es, Kindern attraktive Sportinhalte und soziale Betreuung zu bieten, um damit präventiv auf negative Entwicklungen einzuwirken.

Ein anderes Projekt in Stuttgart "KICKFORMORE", bei dem sich Axel Schulz engagiert, ist eine Straßenfußball-Liga, bei der Jugendliche lernen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und Projekte zu entwickeln.

Seit der Stiftungsgründung von Laureus vor zehn Jahren wurden weltweit über 1 Million Kindern und Jugendliche im Alter von acht bis 18 Jahren gefördert.

Die Mitglieder der Laureus World Sports Academy – 46 der weltweit größten Sportlerinnen und Sportler aller Zeiten (unter anderem Boris Becker, Franz Beckenbauer, Mika Häkkinen, Alexei Nemov, Nadia Comaneci, Bobby Charlton, Sebastian Coe, Robby Naish, Vorsitzender ist Edwin Moses)  – engagieren sich ehrenamtlich für die Projekte und reisen jedes Jahr mehr als 350.000 Kilometer, um die Projekte vor Ort zu besuchen und mit Leben zu erfüllen.


           

Das Interview mit Anders Sundt Jensen (re.) führte Corinna Busch (li.).

Auktion