Kanadisches Unternehmen widersetzt sich Anordnungen der Interamerikanischen Menschenrechtskommission – Bergbaugegnerin von Unbekannten niedergeschossen

Köln, 21.7.2010. Mit großer Sorge beobachtet die Menschenrechtsorganisation FIAN die sich zuspitzende Lage in der Umgebung der Marlin-Goldmine in Guatemala. Die Rechte der dort lebenden indigenen Bevölkerung werden offenbar nicht respektiert. Vorläufiger trauriger Höhepunkt ist das Attentat auf Diodora Antonia Hernández Cinto, eine führende Vertreterin der Bewegung gegen die Marlin-Mine. FIAN befürchtet eine weitere Gewalteskalation und hat daher eine internationale Briefaktion gestartet, die auf www.fian.de zu finden ist.

Im Mai 2010 hatte die Interamerikanische Menschenrechtskommission (CIDH) zum Schutz des Lebens und der persönlichen Unversehrtheit der Gemeinschaften den Stopp der Bergbauaktivitäten des kanadischen Unternehmens Goldcorp Inc. in der Marlin-Mine angeordnet. Die Regierung Guatemalas versprach, die von der CIDH geforderten Maßnahmen durchzuführen. Der kanadische Konzern will jedoch den Goldabbau in Marlin nicht stoppen. Seitdem sind einige Wochen vergangen und die Umsetzung des Versprechens der Regierung steht noch aus.

Der Staat Guatemala hat die Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ratifiziert und damit anerkannt, dass alle Projekte, die sich auf das Leben und das Gebiet von indigenen Gemeinschaften auswirken, nur mit freier und informierter Zustimmung der indigenen Völker umgesetzt werden dürfen. Diese Zustimmung wurde allerdings nie erteilt, im Gegenteil, bei einer Befragung im Juni 2005 hatten 97 Prozent der BewohnerInnen von Sipakapa das Marlin-Projekt abgelehnt.

Die Menschenrechtsverletzungen durch das Marlin-Projekt sind eindeutig. Besonders gravierend sind die Verschmutzung und der Verbrauch des von den Gemeinschaften verwendeten Wassers. Das Unternehmen benötigt nach eigenen Angaben 45.000 Liter pro Stunde. Monitoring-Untersuchungen der Comisión Paz y Ecología (Friedens- und Umweltkommission) haben ergeben, dass die Mine das Wasser der Flüsse mit Schwermetallen verunreinigt. Außerdem wurden in einigen Blut- und Urinproben der Bewohner toxische Metalle gefunden.

„Die Arbeit der Mine muss sofort eingestellt werden. Die guatemaltekische Regierung ist verpflichtet, die Anordungen der Interamerikanischen Menschenrechtskommission umgehend umzusetzen und so die Menschenrechte auf Nahrung, Wasser und Gesundheit zu schützen", fordert Martin Wolpold-Bosien, Zentralamerika-Referent von FIAN.