Der berühmte James Bond-Darsteller im Gespräch mit Stargebot.
Wie werden Sie eigentlich korrekt angesprochen? Eure Lordschaft wie in "Die Zwei" – übrigens eine sehr erfolgreiche Serie in Deutschland? Oder Sir Roger Moore?
Sir Roger Moore wäre die korrekte Anrede, aber eigentlich bin ich einfach Roger. Ich bin eben sehr bescheiden (lacht). "Die Zwei", habe ich gehört, soll durch die deutsche Synchronisation noch viel lustiger gewesen sein, als das Original. Nein, ich lege keinen Wert darauf, dass ich mit Sir angeredet werde. Warum auch – mit den Menschen, mit denen ich zu tun habe und für die ich mich bei UNICEF engagiere, für die ist ein Titel nicht wichtig.
Da geht es um einfache Dinge wie Essen, Trinken, Glücklich sein. Ich gehöre ja auch nicht wirklich zum Adel. Die Queen schlug mich 2003 zum Ritter wegen meiner Arbeit für das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen nicht wegen meiner Erfolge als Schauspieler.
Vor 7 Jahren haben Sie Ihren letzen Film gedreht – war der Abschied vom Kino ein Grund, sich konsequent dem sozialen Engagement zu widmen?
Ja auch. Wissen Sie, ich muss nicht mehr Hamlet sein oder König Lear. Ich bin zufrieden, mit dem, was ich erreicht habe. Ich danke Sean Connery, dass er damals keine Lust mehr auf James Bond hatte. Ich bekam die Rolle und damit stieg meine Popularität, vor allem in Deutschland. Ich war immer zu rechten Zeit am rechten Ort und was die Auswahl meiner Rollen anbetrifft, in diesem Punkt habe ich einfach die richtigen Leute gekannt. Ich musste nie tingeln, um Angebote betteln, ich hatte viel Glück und kann mich nach diesem Schauspielleben nun voll und ganz meiner Familie und meiner Arbeit für UNICEF widmen.
Sean Connery redet nicht gern über 007 , bei Ihnen ist das anders. Sie haben für Ihre, im Juni veröffentlichten Autobiografie, sogar den Titel: Mein Name ist Bond ...James Bond gewählt. Der Spion Ihrer Majestät ist demnach kein Fluch?
Absolut nicht. James Bond ist weltweit erfolgreich. Immerzu werden die Filme wiederholt, erscheinen auf DVD und Blue-ray. Meine Popularität als Schauspieler war sehr hilfreich. Wenn ich nicht so viel Erfolg als James Bond gehabt hätte, wäre auch die Aufmerksamkeit für UNICEF wesentlich geringer. Wäre ich irgendjemand, bekäme ich kaum ein Plattform für mein Engagement. Ich bin Audrey Hepburn sehr dankbar, dass sie mich für die UNICEF gewissermaßen rekrutiert hat, nein mehr – mich begeistert hat, Kindern in Not und Armut zu helfen. Sie hat es allen vorgemacht. So wurde ich 1991 Botschafter. Ich denke, wenn man einmal gesehen hat, wie das Leben in den Entwicklungsländern ist, dann merkt man, dass dieses Engagement viel wichtiger ist, als Filme zu machen. Ich habe gesehen, was eine Dürre anrichten kann, was Armut den Menschen antut, wie sich fehlende Ausbildung auswirkt und wie sich Krankheiten aufgrund von Unwissen und fehlender Bildung verbreiten. Ich bin erschüttert von den Zuständen in der dritten Welt, von den hohen Raten an HIV-Infektionen und ich versuche die Zustände zu ändern. Es geht um Einfluss und Überzeugungskraft und das mache ich gern dafür geltend. Jedes, und ich meine wirklich jedes Kind sollte, so wie es die UN-Konventionen vorschreiben, in den Genuss einer grundlegenden Gesundheitsfürsorge und Bildung kommen!
Wenn Sie in Deutschland sind, suchen Sie immer ein ganz bestimmtes Hotel, nämlich. Wir unterhalten uns gerade in der Suite 303. Warum gefällt es Ihnen hier besonders gut?
Die Hotelkette Starwood, zu der die Westin Grand-Häuser gehören, sammeln seit 1999 Spendengelder für die UNICEF. Je ein Euro der Rechnungen gehen an das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Die Starwoodkette hatte mir die Aktion vorgeschlagen und ich war damals begeistert davon. Weit über 100 – Tausend Euro kamen wohl schon allein hier in der Friedrichstrasse zusammen. Dafür kann man Medikamente kaufen, Schulen bauen. Aber es ist nicht wahr, dass ich immer, wenn ich in Berlin bin, in der Präsidentensuite nächtige. Ich mag Hotels, die UNICEF unterstützen, denn ich liebe Kinder, wenn sie lachen, nicht wenn sie heulen.
Sie sind ein Mensch mit viel Humor. Es muss den UNICEF-Mitarbeitern Spaß machen, sich mit Ihnen zu beschäftigen. Ist an Ihnen ein Satiriker verloren gegangen?
Vielen Dank. Aber ich glaube nicht oder doch. Vielleicht habe ich den Fehler gemacht, mich selbst zu spielen (lacht). Es war einfach meine Art, der Rolle ein wenig Humor zu geben. Ich habe ihn als Cartoon-Figur gesehen. Er rettet die Welt, umgeben von schönen Frauen und das geht nicht ohne Ironie. Da wurde am Filmset ein Illusion geschaffen, mit Actionszenen und großem Aufwand für die Kinobesucher, und ich sorgte für den dazugehörigen Witz. Das war mein Bond – mein Stil. Ich glaube auch, wer mit Humor durchs Leben geht, hat es einfach leichter und ich liebe nun einmal die angenehmen, leichten Seiten des Lebens.
Sie haben so ziemlich alles erreicht – sind auf dem Walk of Fame verewigt, geadelt, haben den Krebs besiegt und werden als UNICEF Botschafter intensiv gehört. Gibt es noch einen Traum, den Sie sich jetzt mit 81 Jahren erfüllen möchten?
Sie haben ja in meiner Autobiografie gelesen, dass ich mich bei vielen Ärzten bedanke – meinem Hausarzt, der mich immer umsorgt, meinem Herzchirurgen, der mir einen Herzschrittmacher mit besonders langlebigen Batterien eingesetzt hat, meinem Hautarzt, der gelegentlich schwarze Punkte entfernen muss. Es sind eigentlich noch viel mehr Ärzte, denen ich zu danken habe. Ich habe nur die Namen vergessen. Gesundheit ist wirklich wichtig, um Charity-Aufgaben wahrnehmen zu können. Ich gehe gern mit Kristina walken, achte darauf nicht zu fett zu essen. Dass ich mich gut fühle und diese Arbeit für UNICEF machen kann, dafür bin ich dankbar. Ich möchte auch meine Enkelkinder aufwachsen sehen. Ich genieße den Alltag, das Leben jetzt so wie es ist und ich hoffe, ich darf das auch noch eine ganze Weile.
Das Interview mit Sir Roger Moore führte Katrin Hampel
Autobiographie von Sir Roger Moore:
Mein Name ist Bond...James Bond
Erschienen im I.P.Verlag Jeske/Mader GbR (Mai 2009)

